Lesepredigt

Lesepredigt zum 2. Sonntag Trinitatis (26.06.2022)

 

Predigt zu Jes 55,1-5

Wann haben Sie das letzte Mal eine Einladung zu einer großen Feierlichkeit ausgesprochen? Einladungen sind immer etwas Besonderes in unserem Leben. Einladungen verschicken wir an die Menschen, mit denen wir feiern wollen. An die Menschen, die uns besonders wichtig sind. An die Menschen, mit denen wir die besonderen Momente unseres Lebens teilen wollen.

 

Die letzte große Feierlichkeit zu der ich eingeladen habe, war 2019 zur Hochzeitsfeier. Das war für mich ein besonderer Moment. Zum ersten Mal habe ich zu einer großen Feier eingeladen, auf der ich meine Liebsten an meinem Leben teilhaben lassen will. Bisher hatten meine Eltern zu den wichtigen Momenten meines Lebens eingeladen, wie etwa meine Taufe und Konfirmation. Dieses Mal war nun ich an der Reihe einzuladen und ich kann Ihnen verraten, dass es mit sehr viel Aufregung verbunden war, ob denn auch alle zusagen werden und ob am großen Tag alles klappen wird. Vielleicht erinnern auch Sie sich an eine solche Einladung, bei der Sie zum ersten Mal Gastgeber waren und einen Moment des Lebens mit ihren Liebsten gefeiert haben oder aber sie denken gerade an die letzte große Feier zurück, zu der sie eingeladen waren.

 

In Ihrem Leben gab es sicher schon viele Einladungen, die sie bereits erhalten und selbst verschickt haben. Sei es zu den großen Momenten ihres Lebens oder den besonderen Momenten der Menschen, die Ihnen besonders am Herzen liegen. Gerne denkt man an solche Einladungen zurück und die gemeinsame schöne Zeit, die man mit seinen Liebsten auf den Festen des Lebens verbracht hat. Das mit dem Einladen war in den letzten Jahren allerdings alles andere als leicht – Corona hat das Planen von großen Feiern erschwert, viele haben das Feiern verschoben oder gleich ganz drauf verzichtet. Auch das Gemeindeleben hat darunter gelitten, denn Einladungen zu Gottesdiensten, Gemeindenachmittagen und Festen zeichnen unsere christliche Gemeinschaft nun mal aus. Umso mehr freue ich mich, dass wir heute unsere Gäste aus der Partnergemeinde in Antwerpen hier begrüßen dürfen, die unserer Einladung gefolgt sind und sich auf den Weg zu uns gemacht haben. Der heutige Predigttext ist ebenfalls eine Einladung. Die Einladung Gottes zu seinem Bund der Gnade, dem Fest des Lebens. Gott will mit seiner Gnade dem Volk Israel im Leben beistehen. Diese Einladung lässt Gott seinem Volk durch den Propheten Jesaja zukommen. So verkündet der Prophet:

 

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!

2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben.

3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben.

4 Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter.

5 Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.

 

Diese Einladung sendet Gott seinem Volk Israel in einer besonders schweren Situation: Das Exil, die Gefangenschaft in Babylon, ist vorbei und das Volk Israel kehrt wieder zurück in sein Land. Doch es ist nicht mehr das gleiche Land wie das, welches sie einst gezwungenermaßen verlassen mussten. Die Felder liegen brach, die Städte sind zerstört und Familien sind auseinandergerissen. Alles was einst gewesen ist, ist nicht mehr da. Das Volk Israel ist entmutigt von diesem Anblick, kraftlos von der langen Gefangenschaft und hat keine Vision für die Zukunft. Was soll man machen in diesem zerstörten Land? Einige fangen schon an zu murren und zu nörgeln: „Lasst uns wieder zurückgehen nach Babylon, in das Land unserer Gefangenschaft. Dort hatten wir doch alles, Essen, eine Wohnung, Arbeit. Was sollen wir machen in diesem zerstörten Land? Der Schleier der Hoffnungslosigkeit breitet sich aus im Lande Israel.

 

In dieser scheinbar ausweglosen Situation hinein spricht Gott durch seinen Propheten zum Volk Israel. Gott sieht das Leid seines Volkes. Gott nimmt sein Volk in der schweren Situation des Neuanfangs ernst. Aber Gott bemitleidet sein Volk nicht. Er macht ihnen neue Hoffnung, indem er sie zu seinem Bund der Gnade, dem Fest des Lebens, einlädt. Das Volk Israel hat diese Einladung angenommen und es ging aufwärts, wenn auch nicht immer so wie geplant. Langsam aber sicher bauten sie ihr Land wieder auf und vertrauten auf Gottes Beistand in dieser schweren Zeit.

Gott lädt uns ein. Auch wir alle, die hier sitzen, sind eingeladen zu Gottes Bund der Gnade, zum Fest das Lebens. Wir sind dazu eingeladen, dass uns Gott mit seiner Gnade in unserem Leben begegnet und stärkt. Wir sind dazu eingeladen, dass Gott uns in unserem Leben begleitet, in den schönen, aber auch in den schweren Momenten. Wir sind dazu eingeladen, unser Leben mit Gott zu feiern. Diese Einladung hat uns Gott durch seinen Sohn Jesus Christus zukommen lassen. So habe ich Sie heute mit den Worten begrüßt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

 

Manchmal fällt es aber schwer diese Einladung anzunehmen. Man kennt das von den Einladungen, die man in seinem Leben bekommen hat: Man hat gerade andere Sachen im Kopf, es gibt schon einen anderen Termin und manchmal ist einem auch einfach nicht nach Feiern zumute. In diesen Situationen lehnt man eine Einladung ab, weist sie zurück. Gerade in den schweren Momenten des Lebens, in der Zeit von Kummer, Schmerz und Trauer, will man gar keine Einladung erhalten. Einladungen zu Festen nehmen wir an, wenn man an den schönen Momenten des Lebens teilnehmen will. Einladungen nehmen wir an, wenn wir unsere schönen Momente des Lebens mit den Liebsten teilen wollen. Einladungen in den schweren Zeiten des Lebens weisen wir aber zurück.

 

Warum sollten wir denn Gottes Einladung zum Fest des Lebens annehmen, wenn uns selbst gar nicht danach ist, das Leben zu feiern?

 

Vielleicht haben auch Sie sich schon diese Frage gestellt, wenn man auf die momentane Situation schaut: Erst Corona und damit verbunden schmerzliche aber nötige Eingriffe in unser Privatleben und unser Leben als christliche Gemeinschaft und nun auch noch ein Krieg mitten in Europa, dessen Folgen wir kaum einschätzen können und der uns Angst macht. Neben diesen großen Krisen unserer Zeit hat jede und jeder von uns seine ganz eigene Krise zu tragen, die kein anderer mitbekommen soll.

Gott weiß um unsere schweren Zeiten im Leben. Gott weiß um den Kummer, den Schmerz und die Trauer, die uns manches Mal in unserem Leben begleiten. Gott weiß, dass unser Leben nicht nur aus den schönen Momenten besteht, zu denen wir einladen wollen. Gott weiß, dass zu unserem Leben auch die schweren Momente gehören. Die Einladung im Predigttext hat Gott seinem Volk in einem solchen schweren Moment zukommen lassen, in einer Zeit, in der es scheinbar keine Hoffnung auf eine Zukunft gibt. Dennoch hat Israel die Einladung Gottes angenommen, um von Gottes Gnade gestärkt weiterzumachen.

 

Diese Einladung Gottes zum Fest des Lebens möchte ich heute auch uns aussprechen, auch wenn die momentane Zeit herausfordernd ist und sich unsere Gemeinden immer noch von den Folgen der Corona-Pandemie erholen müssen. Gott weiß darum und lädt uns alle zum Fest Lebens ein. Gott will jedem von uns mit seiner Gnade begegnen. Bei Gott können wir unseren Kummer und unsere Sorgen lassen. Sei es beim wöchentlichen Gottesdienst in der Gemeinde oder aber im Stillen und Privaten beim Sprechen eines Gebets oder einfach nur beim stillen Gedenken an Gott.

Gott lädt uns ein zu ihm zu kommen, auch in den schweren Momenten des Lebens. Gott will an unserer ganz eigenen Geschichte des Lebens teilnehmen. Ich bitte sie daher, die Einladung Gottes zum Fest des Lebens anzunehmen. Eine Einladung, die uns immer zugesprochen ist und dabei hilft sich nicht im Negativen zu verlieren, sondern das Schöne im Hier und Jetzt zu sehen. So feiern wir heute, dass wir gemeinsam mit unserer Partnergemeinde unterwegs sein konnten, uns ausgetauscht haben über Schönes und Schweres und heute in diesem Gottesdienst als Gemeinschaft zusammenkommen bei der Feier des Abendmahls, zu dem uns Gott einlädt. Lasst uns also mit Freude Gottes Einladungen im Leben annehmen, der uns zugesagt hat: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

 

 

Amen.